Der Haarlemmermeerpolder – Ein See verschwindet

Südlich von Haarlem und Amsterdam befand sich in früheren Jahrhunderten ein Binnensee, der schon seit langer Zeit nicht mehr existiert, das Haarlemmermeer. Über diesen See wurden unter anderem Waren verschifft, die von Amsterdam nach Rotterdam gebracht werden sollten, ein Gemälde von Jan van Goyen aus dem Jahr 1656 zeigt den Schiffsverkehr auf dem Haarlemmermeer.

Bei Stürmen führte der Wellenschlag jedoch dazu, dass die Uferbereiche erodiert wurden und somit der See immer größer wurde. Um 1250 hatte das Haarlemmermeer eine Fläche von ca. 9000 ha, um 1500 waren es ungefähr 11000 ha, jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich der See bereits auf 17000 ha ausgedehnt.

Als im Jahr 1836 ein Sturm die Wassermassen in gefährliche Nähe zu Amsterdam und Leiden trieb, sah man dringenden Handlungsbedarf.

Das Haarlemmermeer auf der Karte von Johannes Janssonius (Ausschnitt, 1658)

Die Schaffung von Poldern, also das Entwässern und dauerhafte Trockenhalten von Seen, Meeresbuchten und Landflächen ist seit vielen Jahrhunderten eine gängige Praxis in den Niederlanden. Jedoch war es vor dem Industriezeitalter ein fast aussichtloses Unterfangen, eine derartig große Wasserfläche wie das Haarlemmermeer trocken zu legen, die Kraft von Windmühlen hätte hierbei wohl nicht ausgereicht. Der erste Plan, den See einzupoldern, datiert bereits auf das Jahr 1615 und stammt vom Landvermesser Gerbrandt Meusz. Doch erst im Zeitalter der Industrialisierung, als leistungsstarke motorisierte Wasserpumpen die schwächeren Windmühlen ablösten, setzte man die Entwässerungsplane in die Tat um. Ab 1840 baute man einen Deich rund um den See und errichtete drei Pumpwerke, die bis 1852 das gesamte Haarlemmermeer vollständig trockenlegten oder wie man in den Niederlanden sagt, trockenmahlten (droogmalen). Daher ist auch heute noch im Niederländischen die Bezeichnung gemaal für Pumpwerke üblich, was noch an das Mühlenzeitalter erinnert. Das Wasser wurde in einen Kanal rund um den See gepumpt, die ringvaart.

Das Pumpwerk De Cruquius

Ringvaart am Cruquiusdijk

Eines dieser Pumpwerke dient heute als Museum, das 1849 errichtete Pumpwerk De Cruquius am Westrand des Polders, unmittelbar südlich von Haarlem. Benannt wurde es nach dem Landvermesser und Wasserbauexperten Nicolaus Samuelis Cruqius (eigentlich Nicolaas Kruik, 1678-1754). Das Museum befasst sich sowohl mit der Geschichte des Kampfes gegen das Wasser und den droogmakerijen, zeigt aber auch den technisch Interessierten die Dampfmaschine mit dem nach eigenen Angaben größten Zylinder der Welt in Aktion.

Karte des Haarlemmermeerpolders von 1867

Nach der Entwässerung begann man mit der Parzellierung des neu gewonnenen Landes. Schachbrettartig wurden Kanäle, Wege und gleich große, rechteckige, leicht in nordwestlich-südöstliche Richtung verlaufende Parzellen mit den Maß 200 x 1000 m angelegt. Noch heute kann man auf dem Satellitenbild deutlich diese regelmäßige Parzellierung erkennen.

Satellitenbild vom Haarlemmermeerpolder (Landsat 7)

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Es wurden damals zwei neue Siedlungen angelegt, darunter Kruisdorp im Zentrum des Polders, das später Hoofddorp genannt wurde. Die Endung auf -dorp ist aber heute absolut nicht mehr zutreffend. Inzwischen hat die Gemeinde Haarlemmermeer ca. 146000 Einwohner, wovon ungefähr die Hälfte auf Hoofddorp entfallen, also wäre die Gemeinde nach deutscher Definition eine Großstadt. Insbesondere durch die Suburbanisierungstendenzen seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Gemeinde, bedingt durch die Nähe zu Amsterdam, stark angewachsen. Das Zentrum von Hoofddorp wirkt wie eine Retortenstadt.

Die Marktpleinkerk in Hoofddorp

Der Rathausplatz in Hoofddorp

Neben der Nähe zu Amsterdam hat auch der 1920 errichtete Flughafen Schiphol, der sich am Nordostrand des Polders befindet, zum Wachstum der Gemeinde Haarlemmermeer beigetragen. Der Name Schiphol erinnert noch an die Zeit des Binnensees. An dieser Stelle lief das Wasser in Ufernähe trichterförmig zusammen, was insbesondere bei Stürmen zu einer Gefahrensituation führte, sodass dort häufiger Schiffe versanken. Der mit einer Höhe von 5 m unter dem Meeresspiegel (NAP = Normaal Amsterdams Peil, Pegel Amsterdam) am tiefsten gelegene Flughafen der Welt befindet sich somit gewissermaßen an einem ehemaligen Schiffsfriedhof.

Videoaufnahmen von Cruquius und Hoofddorp

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