Hogebeintum und Lichtaard – Erdhügel gegen die Fluten

Wer nicht will deichen, der muss weichen. Diese Devise gilt seit vielen Jahrhunderten nicht nur für die Marschgebiete in der Nähe zur deutschen Nordseeküste, gerade in den Niederlanden wäre für einen beträchtlichen Teil des Landes ein dauerhaftes Bewohnen und Nutzen ohne Deiche gar nicht denkbar. In Friesland hat das Deichwesen, wie wir es heute kennen, um das Jahr 1000 herum Einzug gehalten, doch auch in den Jahrhunderten davor musste man sich vor drohenden Sturmfluten schützen. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit schuf man in den überflutungsgefährdeten Gebieten künstliche Erdhügel, auf denen man siedelte.

In Deutschland bezeichnet man diese Hügel als Wurten oder Warften, in den Niederlanden ist die Bezeichnung terp üblich, eine darauf befindliche Siedlung nennt man terpdorp. In der Provinz Groningen wird außerdem der Begriff wierde für diese künstlichen Hügel verwendet. Wer in der Provinz Friesland unterwegs ist, dem fallen möglicherweise auf manchen öffentlichen Parkplätzen die großen Karten mit der Überschrift Terpelân (friesisch für terpenland?) auf. Die meisten terpen wurden jedoch wegen ihres fruchtbaren Bodenmaterials ab dem 19. Jahrhunderts wieder abgegraben und als Dünger verwendet, sodass heute nicht mehr viele davon bestehen.

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Hier sollen nun zwei terpen vorgestellt werden, eine davon ist die höchste der Niederlande und liegt in Hogebeintum (oder friesisch: Hegebeintum). Der Ort liegt etwas mehr als zehn Kilometer westlich von Dokkum, ist ungefähr drei Kilometer von der Küstenlinie entfernt und hat nicht einmal hundert Einwohner. Die terp erreicht eine Höhe von 8,80 m über dem Meeresspiegel und beherbergt die Kirche des Dorfs, die im 12. Jahrhundert aus Tuffstein aus der Eifel erbaut wurde. Ursprünglich war dieser Erdhügel wesentlich größer, heute ist nur noch ein Rest davon erhalten. In der Nähe befindet sich ein Besucherzentrum, das nicht nur über die Geschichte der terp informiert, sondern auch archäologische Fundstücke präsentiert, die beim Abgraben des Erdhügels Anfang des 20. Jahrhunderts zu Tage gefördert wurden.

Terp und Kirche von Hogebeintum

Leicht verwitterte Infotafel am Weg zur Kirche

Auf ungefähr halbem Wege von Hogebeintum nach Dokkum kommt man durch die Ortschaft Lichtaard. Auch hier befindet sich die Kirche (Gertrudiskerk) auf einer terp, wenngleich sich diese nicht so spektakulär über die Umgebung erhebt wie in Hogebeintum und auch nur als Rest rund um die Kirche erhalten ist. Es gibt einen ca. 24 km langen Rundwanderweg der regio Noordoost Friesland mit dem Namen terpenroute, der allerdings nicht durch Lichtaard führt. Wenn diese Beispiele auch den Eindruck erwecken, als habe im Zentrum dieser Wohnhügel immer eine Kirche gestanden, so war die Mitte einer terp ursprünglich unbebaut.

Gertrudiskerk in Lichtaard

Advertisements

2 Kommentare zu „Hogebeintum und Lichtaard – Erdhügel gegen die Fluten“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s