Zwolle – Alte Hansestadt mit neuen Bastionen


Bei Hansestädten denken viele vermutlich zunächst einmal an Hamburg oder Bremen, doch auch in den Niederlanden gehörten einige Städte, insbesondere im IJsselgebiet, diesem bedeutenden Städtebund an. So haben gerade heute in Kampen an der IJssel die diesjährigen Internationalen Hansetage begonnen. Wir betrachten aber nun das etwas östich davon gelegene Zwolle, die Provinzhauptstadt von Overijssel und mit 125000 Einwohnern nach Enschede die zweitgrößte Stadt der Provinz.

Die älteren Städte der Niederlande entstanden in der Regel dort, wo es trocken war und keine Gefahr durch Überschwemmungen bestand, wie auf dem Ausläufer eines Moränenhügels, der im Mittelalter die Keimzelle von Zwolle bildete.Die älteste Erwähnung Zwolles datiert auf das Jahr 1040 und als die Stadt 1230 vom Bischof von Utrecht bereits die Stadtrechte verliehen bekam, befand sich dort, wo heute das Stadtzentrum von Amsterdam ist, nur ein unbewohntes Niedermoorgebiet. Allgemein gehörten die Hansestädte entlang der IJssel im späten Mittelalter zu den wichtigsten Städten auf dem Gebiet der heutigen Niederlande.

Grote Markt, im Hintergrund die „Peperbus“

Die mittelalterlichen Wurzeln von Zwolle sind heute noch gut im Grundriss der Altstadt zu erkennen. Die Straßen sind schmal und haben oft einen geschwungenen Verlauf, ein großer Teil der Innenstadt sind Fußgängerzonen. Straßennamen wie Oude Vismarkt, Melkmarkt oder Ossenmarkt erinnern an das einst geschäftige Treiben einer florierenden Handelsstadt. Dominiert wird die Altstadt vom Turm der Basilika der Onze Lieve Vrouw ten Hemelopneming, der wegen seiner Form liebevoll Peperbus (Pfefferbüchse) genannt wird.

Jedes Jahr im Juli findet in den Straßen der Altstadt ein Jahrmarkt statt, die sogenannten Blauwvingerdagen, die unzählige Besucher in die Hansestadt locken. Außerdem findet jährlich am 5. Mai zum Tag der Befreiung eines der größten Befreiungsfestivals der Niederlande in Zwolle statt, allerdings nicht in den engen Straßen der Altstadt, sondern im westlich davon gelegenen Park De Wezenlanden, wo sich auch die Provinzverwaltung befindet.

Innenstadt von Zwolle mit ehemaligem Festungsgraben als Kanal (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Ein charakteristisches Merkmal niederländischer Städte der Frühen Neuzeit ist in der Struktur Zwolles ebenfalls noch gut zu erkennen. Wie ein blauer Stern legt sich der Wassergraben um die Altstadt, der den Verlauf der ehemaligen Festung nachzeichnet. Auch die Händlervereinigung Cityzentrum Zwolle nutzt diesen blauen Stern als Logo. Wie die Stadtfestung von Zwolle im späten 17. Jahrhundert ausgehen hat, zeigt das Stedenboek von Hendrik de Wit.

Karte von Hendrik de Wit aus dem 17. Jahrhundert (Der Osten ist hier oben)

Es gibt noch zahlreiche weitere niederländische Städte, in denen der ehemalige Festungsgraben noch als Kanal existiert, wenn auch nicht so häufig in vollständigem Umfang, so wie hier in Zwolle. Allerdings lohnt hier auch ein genauer Blick, wie die ehemaligen Bastionen heute genutzt werden. Im Westen der Altstadt wurde im Jahr 2003 ein Wohn- und Geschäftszentrum angelegt, das genau die Form einer frühneuzeitlichen Bastion hat, das Maagjesbolwerk. Dieses Bauwerk ist bei Weitem nicht das einzige in den Niederlanden, das moderne Architektur mit historischen Formen verbindet.

Das Maagjesbolwerk

So sah das Maagjesbolwerk noch im 17. Jahrhundert aus (Ausschnitt aus der Karte von Hendrik de Wit)

Eine weit weniger offensichtliche Umnutzung einer früheren Bastion findet man im Norden der Altstadt auf der Noordereiland, die durch die Thorbeckegracht vom Rest der Altstadt getrennt ist. Hier zeichnet heute die Parkeergarage Noordereiland die Umrisse der alten Bastion nach.

Die Parkeergarage Noordereiland in Form der früheren Bastion (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Videoaufnahmen aus Zwolle

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