Amersfoort – Mauerhäuser und Moderne

Ungefähr 25 km von Utrecht entfernt liegt im Osten der gleichnamigen Provinz die Stadt Amersfoort. Dort wo sich verkehrsgünstig eine Straße mit einer Furt der Eem (die damals Amer genannt wurde) kreuzte, entstand im Mittelalter eine Siedlung, die 1028 erstmals erwähnt wurde. Ein Blick auf den Stadtplan verrät mehr über die Entstehung und das schnelle Wachstum der Stadt im späten Mittelalter.

Die Altstadt von Amersfoort (©OpenStreetMap-Mitwirkende.)

Die Altstadt besteht aus einem inneren und einem äußeren Ring. Nach Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1259 wurde um 1300 die erste Stadtmauer gebaut. Doch schnell kam es zu einem Bevölkerungswachstum, sodass eine Erweiterung des Stadtgebietes notwendig war. Stadterweiterungen waren im späten Mittelalter eine typische Erscheinung in Westeuropa und in Amersfoort entschloss man sich zu einer ringförmigen Ausdehnung und errichtete bis Mitte des 15. Jahrhundert eine weitere Mauer außenrum. Die innere Mauer wurde Anfang des 16. Jahrhunderts geschleift und an deren Stelle wurden Häuser errichtet, weswegen diese sowie die dort verlaufende Straße Muurhuizen (Mauerhäuser) genannt wurden. Die Stadttore wurden an die äußere Mauer verlegt.

Die Mauerhäuser

Vor allem entlang des östlichen und nördlichen Teils der ehemaligen ersten Stadtmauer findet man entlang einer schmalen Straße eine dicht aneinander gebaute Hausreihe ohne Zwischenräume, sodass diese immer noch wie eine Mauer wirken. Außerdem zeichnet ein Wassergraben den Verlauf der alten Stadtmauer nach und auch Grachten fehlen in der Altstadt nicht. Während der Kern der Stadt noch auf einer leichten Erhöhung als Ausläufer des Utrechtse Heuvelrug im Trockenen war, geriet man beim Ausbau der Stadt in sumpfiges Gebiet und musste das überschüssige Wasser abführen.

Amersfoort 1649 (Karte von Joan Blaeu)

Wie für Städte mit mittelalterlichem Grundriss in den Niederlanden (und nicht nur dort) üblich, sind die Straßen relativ schmal und nicht wie mit dem Lineal gezogen, sondern leicht geschwungen, sodass man von einem Ende aus das andere Ende nicht sehen kann. Dazu passt dann auch ein Name wie Krommestraat (krumme Straße), die sich heute selbst als Het leukste straat van Amersfoort bezeichnet. Ebenso wie die kreuzende Lange Straat, welche den gesamten inneren Ring durchzieht und auf ihrer ganzen Länge eine Fußgängerzone ist, gehört sie zu den beliebten Einkaufsstraßen im Zentrum. Der Stadsring als Hauptverkehrsstraße zeichnet einen Teil des Verlaufs der späteren Stadtmauer nach, ebenso ein Grünstreifen.

Die Krommestraat

Der Onze Lieve Vrouwetoren

Schlendert man durch die Altstadt von Amersfoort, hat man nicht den Eindruck, dass man sich in einer Stadt mit über 150000 Einwohnern befindet, was nach deutscher Definition eine Großstadt ist. Die Altstadt ist in der Tat überschaubar, die Einwohnerzahl erklärt sich unter anderem durch die Errichtung von neuen Vierteln, um das nahe gelegene Utrecht zu entlasten. Hierzu gehört z. B. Kattenbroek im Norden des Stadtgebiets, das von einer kreisrunden Straße mit Wasserkanal umringt wird, die ungefähr den gleichen Umfang hat wie die Altstadt.

Der Grundriss des Stadtteils Kattenbroek (©OpenStreetMap-Mitwirkende.)

Wer auf der A28 am Kreuz Hoevelake vorbei Richtung Norden fährt, kann von der Autobahn aus außerdem einen Blick auf die moderne Architektur im jungen Stadtteil Vathorst werfen. Im Rahmen des 1991 beschlossenen Raumordnungsprogramms VINEX (=Vierde Nota Ruimtelijke Ordening Extra), das die Schaffung von neuen Wohngebieten zwischen 1995 und 2005 vorsah, wurde Vathorst im Jahr 2001 im Nordosten der Stadt errichtet und beherbergt ungefähr 17000 Bewohner.

Vor allem der Teil östlich des Laakboulevards ist von Wasserkanälen durchzogen und wird von einigen Hochhäusern dominiert. Im Durgerdamhaven sieht man moderne Hausfassaden, deren Stil anscheinend an alten niederländischen Giebelhäusern orientiert ist. Die Straßennamen beziehen sich dort an Hafenstädte der früheren Zuiderzee.

Im Durgerdamhaven

Videoaufnahmen aus Amersfoort

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