Die Veluwe – Auf und ab durch Wald, Heide und Sand

Landläufig werden die Niederlande gerne als flaches und waldarmes Land charakterisiert. Auf die Veluwe in der Provinz Gelderland trifft jedoch beides definitiv nicht zu. Nicht nur auf dem Satellitenbild erkennt man deutlich, das sich hier das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande befindet, auch wenn man über die A1 fährt, sieht man über einen längeren Abschnitt den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zudem ist diese zwischen Arnheim, Zwolle und Harderwijk gelegene Region verhältnismäßig hügelig.

Satellitenbild der Veluwe (Landsat 7)

In der Saale-Eiszeit (der vorletzten Eiszeit) haben die Eismassen dort Stauchendmoränen geschaffen. Ebenfalls in der Eiszeit wurden große Mengen an Flugsand im Osten des Landes abgelagert, auf denen sich relativ nährstoffarme Böden bildeten. Darum ist der Waldanteil im Ostteil der Niederlande höher, weil die dortigen Böden für die Landwirtschaft weniger geeignet waren.

Heute sind etwa ein Zehntel der Fläche in den Niederlanden von Wald bedeckt, jedoch im 19. Jahrhundert war der Waldanteil noch geringer und die Veluwe war damals sogar kaum bewaldet. Vor allem die Schafhaltung spielte in der Veluwe seit dem späten Mittelalter eine große Rolle, um das Textilgewerbe in Holland mit Wolle beliefern zu können. Die Schafhaltung setzte dem Wald mehr und mehr zu und ließ ihn zunehmend zur Heide degradieren. Mit der Zeit sorgte außerdem die Plaggenwirtschaft, bei der Heideboden als Streu und Dünger verwendet wurde, dafür, dass der Flugsand im Untergrund zum Vorschein kam und sich Sandflächen ausbreiteten. Als sich im 19. Jahrhundert der Kunstdünger in der Landwirtschaft durchsetzte und die Plaggendüngung an Bedeutung verlor, wurden die Heiden wieder zunehmend aufgeforstet. Ein Teil der Heideflächen in der Veluwe ist dennoch erhalten geblieben, zum einen in den militärisch genutzten Gebieten und zum anderen in den Nationalparks.

Der Nationalpark Hoge Veluwe (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Wir betrachten nun den Süden der Veluwe, nördlich von Arnheim, wo die beiden ältesten Nationalparks der Niederlande zu finden sind. 1935 wurde die Hoge Veluwe als zweitältester Nationalpark eingerichtet, heute kann man das Gebiet nicht nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad, sondern auch mit dem Auto durchstreifen. Ein eigenes Fahrrad braucht man auch nicht unbedingt mitzubringen, denn einfache weiße Fahrräder ohne Vorderbremse (witte fietsen) stehen an einigen Stellen in großer Zahl kostenlos zur Ausleihe bereit.

Eingänge zum Park befinden sich in Otterlo, Hoenderloo und Schaarsbergen. Im Park wechseln sich dichte Wälder und offene Heiden ab und an einigen Stellen findet man auch unbewachsene Sandflächen vor. Etwa im Otterlose Zand, wo Helene Kröller-Müller 1915 ein Denkmal für Christiaan de Wet, einem General im Zweiten Burenkrieg (1899-1902), mitten im Sand errichten ließ.

Das Denkmal für den Burengeneral Christiaan de Wet

Noch wesentlich spektakulärer ist das nach ihr benannte Kunstmuseum, dass sie mitten in der Heide bauen ließ und das 1938 eröffnet wurde. Ebenso wurde das Jachthuis Sint Hubertus im äußersten Norden des Nationalparks durch das Ehepaar Kröller-Müller errichtet. Natur- und Kunstliebhaber kommen also in diesem Park gleichermaßen auf ihre Kosten.

Das Jachthuis Sint Hubertus

Videoaufnahmen aus dem Nationalpark Hoge Veluwe und dem Rozendaalse Veld

Etwas östlich des Nationaparks Hoge Veluwe befindet sich der Veluwezoom, der 1930 als erster Nationalpark der Niederlande eingerichtet wurde. Außerhalb der Veluwe wurden übrigens erst ab 1989 weitere Nationalparks ausgewiesen. Westlich des Parks findet man das Rozendaalse Veld, das von Velp aus über den Kluizenaarsweg erreicht werden kann.

An Wochenendtagen mit gutem Spazierwetter kann es auf dem Parkplatz schon einmal eng werden. Das recht hügelige Rozendaalse Veld bietet nicht nur den höchsten Punkt der Provinz Gelderland mit 110 m ü.M., sondern inmitten der weiten Heide auch sehr ausgebreitete Sandflächen. Bei Hundehaltern ist das Gebiet besonders beliebt, weil hier Hunde ohne Leine frei laufen dürfen.

2 Kommentare zu „Die Veluwe – Auf und ab durch Wald, Heide und Sand“

  1. Die Veluwe ist eine wirklich beeindruckende Gegend. Danke für den schönen Artikel! Ich war zuletzt auch im Kröller-Müller-Museum, in Hoenderloo und in der Nähe von Harderwijk, in der Elspeeter Heide. Es ist eine ganz besondere Stimmung. Die Weite auf den Flächen, dann das Heidekraut an vielen Stellen und die Kiefernwälder mit ihrem ganz besonderen Duft! Herrlich.
    Als Jugendliche sind wir dort einmal durchgeradelt und ich weiß noch, dass wir fast verzweifelten, weil die Wege zum Teil sehr sandig waren und wir das Gefühl hatten, es hört nie auf.

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