Urk und Schokland – Zwei ehemalige Inseln

Schaut man sich alte Karten der Niederlande an, entdeckt man in der großen Meeresbucht Zuiderzee zwei abgelegene Inseln: Urk und Schokland. Ein Blick auf die heutige Situation zeigt hingegen ein ganz anderes Bild. Die Zuiderzee heißt heute IJsselmeer und ist keine offene Meeresbucht mehr, aber die beiden Inseln sind keine Inseln mehr, sondern ins Festland integriert.

Die Zuiderzee auf der Karte von Johannes Janssonius (1658)


Urk und Schokland auf der geosteten Karte von Johannes van Keulen (1735)

Nachdem die Zuiderzee 1932 durch den Abschlussdeich von der Nordsee getrennt und zum IJsselmeer wurde, begann man 1937 mit der Errichtung des Noordoostpolders (zuvor wurde bereits der Wieringermeerpolder angelegt). Vom friesischen Lemmer aus baute man einen Damm bis zur Nordküste der Insel Urk, auf der sich ein Fischerdorf befand. Von dessen Südküste ausgehend baute man einen weiteren Damm und nachdem die Deiche geschlossen waren, hatte man durch Abpumpen des Wassers 48000 ha neues Land geschaffen.

Satellitenbild des Noordoostpolders (Landsat 7)

Rund um den Hafen von Urk hat man auch heute noch den Eindruck, in einem Fischerdorf zu sein, wenngleich sich die Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten deutlich in ihr neu umgebendes Festland ausgedehnt hat und mit inzwischen ca. 20000 Einwohnern kein Dorf mehr ist. Nördlich von Urk wurde sogar Wald angelegt und es handelt sich damit längst nicht um das einzige Waldgebiet, dass im relativ waldarmen Land auf neugewonnen Polderflächen entstanden ist.

Der alte Dorfkern ist durch schmale Straßen mit kleinen Häusern und kleinen Vorgärten geprägt. Zahlreiche Segelboote im Hafen zeigen, dass der Ort bei Seglern nicht unbeliebt ist. Auf dem großen Parkplatz direkt am Hafen kann man außerdem häufiger deutsche Kennzeichen an den Autos sehen. Auch nach Bau des Abschlussdeiches blieb die Fischerei für viele Urker bis in die heutige Zeit weiterhin ein wichtiger Erwerbszweig, wenn sie auch heute dafür bis auf die Nordsee herausfahren müssen. In Urk selbst ist dafür die Fischverarbeitung eine wichtige Industrie.

Dorfkern von Urk (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Im alten Dorfkern von Urk kann man mehrere Kirchen zählen, im gesamten Gemeindegebiet sind es sogar zwanzig. Jede davon ist eine selbstständige Kirchengemeinde, deren Gemeinsamkeit die calvinistische Ausrichtung ist. Urk gilt heute als die religiöseste Gemeinde der gesamten Niederlande und hat außerdem mit 3,2 Kindern pro Frau eine Geburtenrate, die fast doppelt so hoch wie der Landesdurchschnitt ist.

Übrigens befindet sich in Urk mit 8,30 m u. M. der höchste Punkt der Provinz Flevoland und somit der niedrigste höchste Punkt von allen niederländischen Provinzen.

Videoaufnahmen von Schokland

Die Geschichte von Schokland ist anders verlaufen als jene von Urk. Nachdem die Insel mit der Zeit durch Sturmfluten mehr und mehr Land verloren und die Bevölkerung in großer Armut gelebt hatte, gab die Regierung das langgezogene, schmale Eiland auf und die Bewohner mussten es 1859 verlassen. Die Umrisse der ehemaligen Insel sind noch auf der Karte zu erkennen und werden heute an der ehemaligen Westküste zu einem großen Teil durch eine Baumreihe nachgezeichnet.

Karte von Schokland (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Im Norden der Insel gab es einen Ort namens Emmeloord, dort wo heute ein Leuchtturm und das Wohnhaus des Leuchtturmwärters zu finden sind. Noch Jahrzehnte, nachdem die Insel bereits geräumt war, existierte an der Nordspitze noch ein Hafen, der von Schiffen in Seenot angesteuert wurde. Daher wurden das Wohnhaus erst 1901 und der metallene Leuchtturm erst 1915 errichtet. Als der Noordoostpolder trockenfiel und dort, wo vor Jahren noch Schiffe in Not gerieten, sich nun Ackerflächen erstreckten, baute man den Turm ab und erst 2007 wurde er wieder errichtet.

Der Name Emmeloord lebt heute im Hauptort des Noordoostpolders weiter, der 1942 angelegt wurde. Ähnlich ist es mit dem Namen der ehemaligen Ortschaft Ens, die einst im Süden der Insel lag, heute trägt ein Dorf östlich von Schokland diesen Namen. In der Mitte der Insel befand sich früher die Middelbuurt, wo heute das Museum Schokland ist. Etwas südlich davon an der ehemaligen Ostküste hat man die terp De Zuidert errichtet, die auch heute noch dort zu finden ist.

An der Südspitze der ehemaligen Insel findet man heute noch die Fundamente der Kirche von Ens und des Leuchtturmes. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, dass man dort, wo heute die Leuchtturmruine ist, noch bis in das 20. Jahrhundert hinein auf das offene Meer geblickt hat. Das ehemalige Inselgebiet von Schokland ist heute Weltkulturerbe.

Rest des Leuchtturms von Ens

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