Leiden – Vom Erdhügel zur Studentenstadt

Nicht nur nahe der friesischen Nordseeküste wurden in früheren Zeiten Erdhügel errichtet, die Keimzelle einer Siedlung wurden. Manche Städte im Landesinneren der Niederlande waren um eine sogenannte Burcht entstanden. Im Gegensatz zu den Terpen in Küstennähe, die vor Überflutungen schützen sollen, dienten die Burchten zur Verteidigung und erreichten in der Regel eine Höhe von 15 bis 20 Metern und Durchmesser zwischen etwa 60 und 70 Metern. Neben Breda, Middelburg oder Doesburg war auch für die Universitätsstadt Leiden eine Burcht der Ursprung. Die am Zusammenfluss von Oude Rijn und Nieuwe Rijn befindliche Burcht mitten in der Altstadt ist jedoch heute die einzige, die in den ganzen Niederlanden noch existiert. Die Steinmauer auf der Burcht kann erklommen werden und bietet dem Besucher einen Überblick über die Altstadt.

Die Burcht

Bereits Jahrhunderte, bevor die Burcht gebaut wurde, errichteten die Römer in der Nähe das Kastell Matilo. Der Limes verlief entlang des damaligen Rheins, der zu dieser Zeit schon eine wichtige Wasserstraße war. Als auf der Burcht zunächst eine Holzpallisade und später eine Ringmauer errichtet wurde, entstand ab dem 12. Jahrhundert auf den Deichen eine Siedlung, woraus sich die heutige Stadt Leiden entwickelt hat. Auch Amsterdam und Rotterdam waren ursprünglich solche linienförmige Deichdörfer. Als die für den Handel an den Wasserstraßen verkehrsgünstig gelegene Siedlung schnell gewachsen ist, wurde Leiden vom Deichdorf zur Grachtenstadt, da sie sich in feuchtes Umland ausdehnte. Die in einem Bogen verlaufende Rapenburg wurde als erste Gracht angelegt und markiert die damaligen Grenzen der Stadt, als sie 1266 ihre Stadtrechte erhielt. In diesem ältesten Teil der Stadt befinden sich auch die Pieterskerk, das Rathaus und der Fischmarkt.

Ältester Teil von Leiden (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Das Gebiet nördlich des Oude Rijn, wo sich die Burcht befindet, wurde ab dem 14. Jahrhundert bebaut. Die Stadt wuchs für die damalige Zeit zu einer beachtlichen Größe und gehörte im 15. Jahrhundert mit ca. 10000 Einwohner zu den größten Städten der ganzen Niederlande. Ein weiteres, bedeutendes Wachstum erfuhr die Stadt während des Achtzigjährigen Krieges gegen Spanien (1568-1648). In dieser Zeit kamen zahlreiche protestantische Flüchtlinge aus den südlichen Niederlanden (heute überwiegend zu Belgien gehörend) in die Städte der Provinz Holland. Die holländische Städte erlebten damals einen großen Aufschwung und in Leiden wurde das Textilgewerbe zum wichtigsten Faktor. Im 17. Jahrhundert gab es bedeutende Stadterweiterungen, die 1670 ihren Höhepunkt fanden. Damals lebten ungefähr 70000 Menschen in der Stadt, neue Grachten wurden ebenfalls angelegt.

Altstadt von Leiden mit dem ehemaligen Festungsgraben (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Leiden im Stedenboek von Hendrik de Wit

Auf der Darstellung von Hendrik de Wit sieht man die Festungsanlage mit ihren zahlreichen Bastionen, auf denen vielfach Windmühlen platziert wurden. Noch heute ist der Festungsgraben in vollem Umfang als Kanal vorhanden und am nordwestlichen Rand steht auch heute noch am Lammermarkt die Mühle De Valk auf einer ehemaligen Bastion.

Mühlen auf den Bastionen (Ausschnitt aus der Darstellung von Hendrik de Wit)

Leiden um 1670

Doch bereits gegen Ende des 17. Jahrhundert verlor die Textilindustrie allmählich an Bedeutung, sodass ein langsamer Niedergang der Stadt einsetzte. Als 1807 am Südufer der Rapenburg eine Schießpulverexplosion mehrere Häuser zerstörte, baute man diese nicht wieder auf, sondern riss sie ab und ließ dort eine Freifläche. Heute befindet sich dort der Van der Werfpark. Selbst im frühen 20. Jahrhundert wirkte die Stadt relativ verarmt, während die nahe gelegenen Randstad-Metropolen Amsterdam, Rotterdam und Den Haag bis dahin einen enormen Aufstieg erlebt hatten. Man hatte sogar einige Grachen aus hygienischen Gründen wieder verfüllt.

Heute hat Leiden immerhin ca. 123000 Einwohner und ist somit eine Großstadt, hat aber vor allem das Image einer Studentenstadt. Bereits seit 1575 besteht die Universität, womit sie die älteste auf dem Gebiet der heutigen Niederlande ist. Da ungefähr 25000 Studierende die Hochschule besuchen, ist nicht verwunderlich, dass diese zu einem hohen Maß das Leben der Stadt beeinflussen, die mit ca. 5300 Einwohnern pro Quadratkilometer außerdem zu den am dichtesten besiedelten Städten des Landes gehört.

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