Das Bargerveen – Rest eines Riesenmoores

In der Vergangenheit war ein großer Teil der Niederlande von Mooren bedeckt, davon zeugen heute noch die zahlreichen Ortsnamen, die auf -veen enden. Ein riesiges, geschlossenes Hochmoorgebiet, dass sich auf deutscher Seite über das Emsland und die Grafschaft Bentheim und auf niederländischer Seite in die Provinzen Drenthe und Groningen erstreckte, war das Bourtanger Moor. Benannt wurde dieses Moorgebiet, das in seiner größten Ausdehnung über 3000 km² bedeckte, nach einer Festung in der Provinz Groningen nahe der deutschen Grenze. Heute sind von diesem Moor nur noch Reste erhalten, die unter Naturschutz stehen. Ein Überbleibsel ist das Bargerveen in Drenthe. In diesem 2600 ha großen Gebiet östlich von Weiteveen war der Torf bereits abgebaut, als man sich zur Renaturierung entschloss.

OpenStreetMap-Mitwirkende)

Auffällig ist, dass das Moorgebiet genau an der deutschen Grenze endet und sich dahinter großenteils landwirtschaftlich genutztes Gebiet anschließt. Steht man an dem Rastplatz an der Stelle, wo die Doctor Ingenieur H. A. Stheemanstraat einen Knick macht, sieht man hinter der großen Wasserfläche Windräder, die bereits zu Deutschland gehören. Dabei hat man entlang der deutsch-niederländischen Grenze in den vergangenen Jahrhunderten bis in das 20. Jahrhundert hinein eher das umgekehrte Bild gesehen (z. B. hier im Zwillbrocker Venn 1935)

Ab dem 17. Jahrhundert hatte man in den Hochmoorgebieten im Osten der Niederlande systematisch Torf abgebaut, um unter anderem auch den großen Energiebedarf in den florierenden Städten des Westens befriedigen zu können. Bevor im 20. Jahrhundert die fossilen Brennstoffe ihren Siegeszug angetreten haben, war Torf ein sehr wichtiger Brennstoff. Man legte in den Hochmooren in geringen Abständen verlaufende, parallele Kanäle an, die heute noch die ganze Region prägen und auf der Karte gut zu erkennen sind, z. B. nördlich des Bargerveen bei Barger-Compascuum.

OpenStreetMap-Mitwirkende)

Der Osten der Niederlande profitierte vom enormen Reichtum der Provinz Holland seit dem Goldenen Zeitalter mit, jedoch jenseits der Grenze im Emsland und der Grafschaft Bentheim herrschte noch lange bittere Armut. Dort blieben die Moore noch viel längere Zeit bestehen, was aus niederländischer Sicht als Rückständigkeit betrachtet wurde. Daher rührte im Grenzgebiet auch der Ausspruch „Waar de cultuur eindigt, begint Duitsland“ („Wo die Kultur endet, beginnt Deutschland“).

In der heutigen Zeit haben Moore ihr negatives Image verloren, da sie heute als sehr wichtig für den Artenschutz angesehen werden. Das Naturschutzgebiet ist über Wanderwege begehbar und präsentiert sich vielfältig. Auf der einen Seite großflächige Moorgewässer, auf der anderen Seite Grünland in Bereichen, die nicht abgetorft wurden. Insbesondere für Vogelliebhaber ist das Bargerveen ein lohnendes Ziel. Wenn die Zugvögel sich im Herbst und Frühjahr im Moor niederlassen, kann man sich auf geführten Touren oder von den eigens dafür eingerichteten Aussichtspunkten aus das Schauspiel betrachten, von Kormoranen bis zu Seeadlern, von Zwergmöwen bis zu Rotmilanen, von Teichrohrsängern bis zu Nilgänsen.

Videoaufnahmen aus dem Bargerveen

Das Moorgebiet ist außerdem Bestandteil einer grenzüberschreitenden Kooperation mit Deutschland. Es gehört zum Internationalen Naturpark Bourtanger Moor-Bargerveen und von der EU geförderte INTERREG-V-Projekte wie das Programm „Grenzenlos Moor / grenzeloos veen“ sollen Naturschutz, Tourismus und Regionalentwicklung voranbringen.

2 Kommentare zu „Das Bargerveen – Rest eines Riesenmoores“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s