Vinkeveense Plassen und Loosdrechtse Plassen – Zusammengewachsene Wassergräben

Wasserkanäle sind in den Niederlanden wahrlich keine Seltenheit, doch deren Entstehungsgeschichte ist recht unterschiedlich. Im Westen des Landes, genauer gesagt im grünen Herz der Randstad, zwischen Amsterdam, Den Haag und Utrecht, ziehen sich unzählige eng beieinanderliegende Wassergräben durchs Land. Im hohen Mittelalter wurde hier von den Grafen von Holland der Torfabbau forciert. Da Holz in der Region wegen Waldarmut Mangelware war, musste der Torf als Brennstoff herhalten.

Um den Torf zu gewinnen, grub man parallel laufenden Gräben, die zu den Flüssen hin orientiert waren und die sich mit Wasser füllten, sobald der Grundwasserspiegel unterschritten wurde, man bezeichnet diese Gräben als trekgaten. Auf den dazwischen liegenden schmalen Riedeln, den legakkers, wurde der gestochene Torf abgelegt.

Ronde Venen (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Eines dieser Torfabbaugebiete waren die Ronde Venen und ein Blick auf die Karte verrät sofort, woher dieser Name rührt. Vom Mittelpunkt bei Mijdrecht hat man die Entwässerungskanäle radial angelegt. Ein Problem, was beim Torfabbau in dieser Region immer wieder auftrat, war der Wellenschlag, der die legakkers erodierte, sodass die Kanäle nach und nach zusammenwuchsen und Seen bildeten. Bei Vinkeveen findet man heute noch solch einen See, was keine Selbstverständlichkeit ist, denn die meisten dieser Torfseen wurden während des 17. bis 19. Jahrhundert wieder trockengelegt. Fährt man über die N201 von Osten her in Richtung Vinkeveen, sieht man die Reste der legakkers noch in die Vinkeveense Plassen hineinragen.

Vinkeveen (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Charakteristisch für den Ort ist die linienförmige Orientierung entlang der Hauptstraße. Vor allem östlich davon reihen sich auf den schmalen Landstreifen zwischen den Kanälen die Häuser wie Perlen auf der Schnur.

Etwas östlich davon, zwischen Utrecht und Hilversum, liegen die Loosdrechtse Plassen, die ein ähnliches Bild bieten. Hier hat sich im Laufe der Zeit eine beträchtliche Wasserfläche gebildet. Der Ort Oud-Loosdrecht gruppiert sich ebenfalls linienförmig beiderseits entlang des Deiches. Die Gewässer sind ein beliebtes Naherholungsgebiet im Bereich der dichtbesiedelten Randstad. Schon bei der Durchfahrt wird deutlich, dass der Wassersport hier groß geschrieben wird. Zahlreiche Segelboote säumen die Anlegestellen und im Sommer kann je nach Wetter auch schon einmal richtiger Hochbetrieb auf dem Wasser herrschen. Von den ehemaligen legakkers ist im Bereich der Anlegestellen kaum noch etwas übrig geblieben.

Loosdrechtse Plassen (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Oud-Loosdrecht (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Videoaufnahmen aus Vinkeveen und Oud-Loosdrecht

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