Enschede und Hengelo – Industriepol an der Ostgrenze

Die an Deutschland angrenzende Provinz Overijssel ist verhältnismäßig dünn besiedelt und ländlich geprägt, ähnlich wie auch das Münsterland und die Grafschaft Bentheim jenseits der Grenze. Einen Industrieschwerpunkt findet man dennoch in der Region Twente, genauer gesagt in den Städten Enschede und Hengelo. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war diese Region ein wichtiger Industriestandort, damals noch für die Textilverarbeitung, die seit einigen Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren hat.

Enschede ist vom Münsterland aus gesehen die erste niederländische Großstadt hinter der Grenze und häufiger ein Ziel von Tagesausflügen. Schließlich ist die über 150000 Einwohner zählende Stadt sowohl von Münster als auch von Dortmund aus ohne Umsteigen mit der Bahn zu erreichen und hierfür gilt noch nicht einmal der Auslandstarif. In der Bahn erfolgen die Durchsagen sogar zweisprachig, wenn auch in der deutschsprachigen Durchsage die niederländischen Namen konsequent falsch ausgesprochen werden. Fast 18000 Besucher aus Deutschland suchen an Samstagen die Innenstadt auf, das sind mehr als ein Drittel aller Besucher.

Etwas nördlich der Innenstadt befindet sich mit Roombeek ein von überwiegend moderner Architektur geprägter Stadtteil. Nach dem Roombeek im Mai 2000 durch die Explosion in der dortigen Feuerwerksfabrik weitgehend zerstört wurde, wobei 23 Menschen ums Leben kamen und 950 verletzt wurden, hat der Stadtteil ein völlig neues Gesicht bekommen. Anstelle der ehemaligen Feuerwerksfabrik befindet sich nun ein Park und unmittelbar nördlich davon wurde fast acht Jahre nach der Katastrophe ein neues Subzentrum eingeweiht, nachdem man die Bürger in die Planungen miteinbezogen hatte. Dort findet man auch das Museum TwentseWelle, das sich auf dem Gelände einer ehemaligen Textilfabrik befindet. Wasserflächen spielen in diesem neuen Viertel ebenfalls eine bedeutende Rolle.

Der Stadtteil Roombeek (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Die Universiteit Twente liegt im Westen der Stadt und ist offensichtlich auch für zahlreiche Studenten aus Deutschland attraktiv, denn von den insgesamt 27700 Studenten kommen über 2400 aus dem Nachbarland. Das Universitätsgelände ist einerseits von moderner Architektur geprägt, orientiert sich andererseits jedoch teilweise an historischen Festungsbauwerken. Wenn es auch im Grundriss und Aufriss nicht auf dem ersten Blick offensichtlich ist, so verraten es Gebäudebezeichnungen wie Ravelijn, Citadel oder Bastille.

Das Areal der Universiteit Twente (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Südwestlich der Universität liegt mit dem Kennispark ein relativ junges Geschäftsviertel für Hightech-Betriebe. Hierbei sollte man übrigens einmal auf die Gestaltung der Bürgersteige in der Straße Capitool achten. Auf der anderen Seite des dortigen Bahnhofes findet man nicht nur das Stadion Grolsch Veste und den Vergnügungskomplex Go Planet, sondern auch das eigentliche Industriegebiet entlang des Twentekanaals, der den Hafen von Enschede mit der IJssel bei Zutphen verbindet und dabei auch am Industrierevier von Hengelo vorbeiführt.

Der Kennispark und das Industriegebiet am Twentekanaal (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Der Bürgersteig in der Straße Capitool

Der Twentekanaal

Die Innenstadt des benachbarten Hengelo mit seinen ca. 80000 Einwohnern ist überschaubar und anscheinend bei Weitem nicht mehr so beliebt bei deutschen Tagesbesuchern wie Enschede. Ob sich dies durch die neue direkte Zugverbindung von Bielefeld über Bad Bentheim nach Hengelo womöglich ändern wird? Drei Türme beherrschen das Stadtbild des Zentrums, neben der Sint Lambertusbasiliek und dem Rathaus fällt vor allem der 44 Meter hohe Brinktoren am Marktplatz auf, der ein Kunstwerk ist.

Der Brinktoren

Rund um den Bahnhof merkt man schnell, dass man sich in einer Industriestadt befindet. Etwas südlich davon wurde 1911 die erste der sogenannten Gartenstädte in den Niederlanden errichtet, das Tuindorp ´t Lansink. Die Idee der Gartenstadt geht auf Ebenezer Howard aus Großbritannien zurück und sollte würdige Wohnverhältnisse für die Industriearbeiter bieten. Das Tuindorp ´t Lansink wurde gezielt in fußläufiger Nähe zur Maschinenfabrik Stork angelegt und ist durch lockere Bebauung, viel Grünfläche und unregelmäßige Straßenverläufe gekennzeichnet. Das Tuindorpbad in dessen Mitte wurde 1923 als Badeanstalt eröffnet und entstand anstelle einer Sandgrube, die für den Bau des Viertels genutzt wurde.

Die Gartenstadt „Tuindorp ´t Lansink“ (© OpenStreetMap-Mitwirkende)

Eine architektonische Besonderheit findet man in einem Wohngebiet am Ostrand der Stadt, nämlich die Kasbah, die von Piet Blom entworfen wurde, der auch die berühmten Kubushäuser in Rotterdam konzipiert hat. Das besondere an diesem Wohnkomplex ist, dass die Wohnräume auf Stelzen errichtet wurden und der Raum darunter nicht nur zum Parken, sondern auch für gemeinschaftliche Nutzung der Bewohner vorgesehen ist. Darüber hinaus befindet sich auch ein kleines Museum in der Kasbah, das sich dem Werk Piet Bloms widmet.

Der Wohnkomplex „Kasbah“

 

 

Videoaufnahmen aus Enschede und Hengelo

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